Quelle: Kölnische Rundschau

Vom Spielen und Scheitern

Von THOMAS LINDEN, 25.03.08, 19:48h

Carlo Ljubek überzeugt sowohl auf der Bühne als auch im Film. Kölns Schauspielintendantin erkannte, was inzwischen auch dem Publikum in Köln nicht verborgen blieb: Seine ungeheure Präsenz vor dem Publikum.

KÖLN. Carlo Ljubek glaubt, wieder einmal einen jener Tage erwischt zu haben, an denen er schon morgens denkt: „Heute geht nichts. Ich sollte einfach im Bett bleiben“. Aber natürlich geht er zur Probe, und dort geschieht dann das Unerwartete. „Auf der Bühne passieren Sachen, man glaubt es nicht...“ - noch während er erzählt, fällt ihm immer wieder auf, wie ihm die Worte versagen, ob der komplexen und tiefen Erlebnisse, die sich während der Arbeit mit Karin Beier an der neuen Inszenierung von Franz Grillparzers Drama „Das goldene Vlies“ einstellen.

Die Schauspielerei ist für den 32-Jährigen immer noch ein Abenteuer, das ihn ein ums andere Mal an seine persönlichen Grenzen führt. Eine Situation, die Carlo Ljubek in der Vergangenheit mit der Arbeit in der freien Szene in Verbindung brachte. In Bocholt ist er aufgewachsen; nach einer Ausbildung als Industriekaufmann wurde ihm klar, dass er zu anderem berufen war. Er machte am Köln-Kolleg das Abitur nach, dann führte ihn sein Weg nach München, zur Otto-Falckenberg-Schule.

Er arbeitete an den Münchner Kammerspielen und am Staatstheater Wiesbaden, aber ein festes Engagement hat ihm eher Angst bereitet; „Angst vor der zu großen Nähe“, wie Ljubek sagt. Aber seinem Abenteuer mit der Schauspielkunst wird er in Zukunft als festangestellter Künstler mit Sozialversicherung und Weihnachtsgeld nachgehen müssen.

Kölns Schauspielintendantin erkannte, was inzwischen auch dem Publikum in Köln nicht verborgen blieb: Carlo Ljubek verfügt über eine Präsenz, die seine Auftritte zu einer faszinierenden Angelegenheit machen. Welch feine Ironie vermochte er im „Menschenfeind“ dem Philinte zu geben, einer Figur, die zumeist als ebenso vernünftiger wie langweiliger Ratgeber dem in seiner Wut glühenden Helden Alcest an die Seite gestellt ist. „Man läuft Gefahr, ihn schnell als Gutmenschen zu spielen. Molières Figuren sind aber intelligenter, sie besitzen ein eigenes Bewusstsein“, erklärt Ljubek.

Eine Person, die von Ljubek gespielt wird, ist nicht einfach zu durchschauen; man muss ihr zuhören, Aufmerksamkeit schenken, und schon zieht sie einen in die komplexen Zusammenhänge einer eigenen Geschichte. Ein Kunststück, das dem 32-Jährigen im Film ebenso gelingt, wie auf der Bühne, wovon man sich in dem Spielfilm „Die österreichische Methode“ überzeugen kann, der ab Donnerstag im Kino zu sehen ist. Auch hier löst Ljubek in einer kleinen Nebenrolle einen Sog aus, der dem Film elektrisierende Spannung verleiht.

Immer wieder kommt er auf die Begegnung mit Karin Beier zurück, in der er Vertrauen zu sich selbst gewonnen hat - etwa, um eine Rolle wie den Siegfried in den „Nibelungen“ zu spielen. „Wie gibt man einer solch mythischen Figur die nötige Bodenständigkeit, das kann man nur in der gemeinsamen Suche herausfinden“, erklärt er und spricht über das „große Glück“, das ihm diese Produktion bereitet. „Es geht dabei um eine gegenseitige Befruchtung der Fantasie. Man treibt sich immer weiter, so dass ein Gefühl der Freiheit bei der Arbeit entsteht. Ich muss mich dann als Schauspieler nicht schämen, für das, was ich tue.“

Carlo Ljubek kann diesen Zustand genau beschreiben: „Es stellt sich ein Mut zu einem Scheitern her, das dann kein Scheitern mehr ist“. Das ist eine Versuchung, die ihm nur sein Beruf als Schauspieler bieten kann, und von der mag er nicht mehr lassen.